Eine Überlegung wert...

Leider müssen wir jedes Jahr viele Interessierte enttäuschen, weil wir die Nachfrage nach Lämmern nicht decken können. Besonders die Warteliste für Aulämmer wird immer länger. Aber welche Alternative gibt es? 

Zum Glück gibt es bei Schafen nicht nur Weiblein und Männlein, sondern auch die Hammel, also kastrierte Widder. Für alle, die neu in der Schafhaltung sind, Schwarznasen wegen der Optik und ihres Wesens mögen und nicht gleich groß in die Zucht einsteigen möchten, sind Hammel der ideale Einstieg.

Vorteile:

  • Früh kastriert (mit ca. 3 Monaten) werden Hammel genauso anhänglich wie die Mähdels. Und man kann es bei ihnen bedenkenlos zulassen, weil sie i.d.R. kein bockiges Verhalten entwickeln. Widder dagegen können u.U. recht gefährlich werden.

  • Man kann in Ruhe erst einmal Erfahrungen in der Schafhaltung sammeln, ohne gleich mit Trächtigkeit, Geburtsproblemen und Aufzucht von Lämmern gefordert zu werden.

  • Hammel sind in der Anschaffung meist deutlich preisgünstiger als Auen. Eine Herde braucht viele Muttertiere, aber meist nur einen Widder. Aber oft werden Auen- und Bocklämmer zu etwa gleichen Anteilen geboren. Da bei den Böcken die Anforderungen bei der Körung deutlich höher sind, als bei den weiblichen Tieren, eignet sich nur ein kleiner Teil der Bocklämmer als zukünftige Zuchttiere. Deshalb gehen Lämmer, die diese Anforderungen nicht erfüllen, meistens zum Metzger. Wir geben allerdings unsere nicht körfähigen Böckchen sehr gern als "Rasenmäher mit Familienanschluß" ab.

  • Wer Wolle mag, wird Hammelwolle lieben, da diese normalerweise feiner und weicher ist, als von sexuell aktiven Tieren. Früher™, als das Spielzeug noch aus Holz und Wolle etwas wert war, hielt man für die Wollproduktion ganze Herden von Hammeln.

  • Kastrierte Bocklämmer bekommen auch Hörner, allerdings wachsen diese sehr viel langsamer und ähneln eher denen der Auen.

  • Und wenn man dann doch irgendwann eigene Lämmer möchte, leisten die Hammel dem Zuchtbock außerhalb der Deckzeit Gesellschaft. Walliser sind asaisonal, d.h. man kann den Bock nicht ganzjährig einfach mitlaufen lassen. Sonst wären die Muttertiere ständig trächtig und auch die eigenen Töchter würde er decken - und das auch noch viel zu früh. Somit müßte der Zuchtbock den größten Teil des Jahres allein stehen. Auch unsere Deckböcke haben jeweils zwei Hammel als Gesellschaft. Und während der Deckzeit packen wir die Hammel einfach mit in die Zuchtgruppe. Sie sind für den Widder keine Konkurrenz und es gibt keine Kämpfe. Danach geht es dann wieder in die Männer-WG.

Statt enttäuscht zu sein, daß das Angebot an Aulämmern so begrenzt ist, denken Sie doch bitte einmal darüber nach, ob Sie nicht zwei Hammeln ein gutes Zuhause geben wollen. Rasenmähen und kuscheln können sie genauso gut wie die Mähdels!